Heute wird der Tag der Deutschen Einheit gefeiert. Aber: Kann man von einer Einheit sprechen?

Und was heißt dieser Begriff? Für mich, als muslimische Nordafrikanerin heißt das vor allen Dingen: Keine Fremdenfeindlichkeit.

27.08.2018. Ein neuer Stichtag in der Deutschen Geschichte. Im Mittelpunkt stand die Stadt Chemnitz. Nach der Ermordung eines Mannes durch vermutlich 2 Ausländer startete eine der größten Protestbewegungen der Rechtsextremen Szene seit der Wiedervereinigung: Neo_Nazis gingen auf die Straße und demonstrierten gegen Einwanderung, Flüchtlinge und Merkel. Nicht nur das, im Internet tauchten Videos auf, in denen ausländisch Aussehende auf den Straßen verfolgt und angegriffen werden. Die Welle des Hasses verbreitet sich unfassbar schnell in anderen Deutschen Städten, unter anderem in Dortmund, Berlin, Hamburg und auch Köln. Diese Angriffe werden von einer gewählten Fraktion im Bundestag verteidigt. Und selbst der (nun ehemalige) Präsident des Verfassungsschutzes leugnet die Fremdenfeindlichen Attacken. Also frage ich noch einmal: Können wir von einer Einheit sprechen?

Und nein, damit möchte ich nicht die Zusammenführung von Ost- und Westdeutschland in Frage stellen. Ich frage mich nur, ob diesem Ereignis des 3. Oktobers eine derartige Bedeutung zugeschrieben werden muss, wo sich Deutschland politisch gesehen extrem spaltet. Denn diese wortwörtliche Teilung lässt an dunklere Kapitel der Geschichte erinnern.

Ich bin in Deutschland geboren sowie aufgewachsen und Deutsch ist meine Muttersprache. Spätestens nach Einzug der AfD in den Bundestag frage ich mich, ob ich überhaupt als Teil einer deutschen Einheit gesehen werden kann. Denn ich persönlich möchte mich als Teil sehen.

Dieser Wunsch wird jedoch oft Mal auf eine harte Probe gestellt, spätestens wenn ich mal mit meinem Papa U-Bahn fahre. Seine Haut ist etwas dunkler als meine, er ist demnach ein „erkennbarer nicht Deutscher“, was auch immer das Aussagen soll. Ich sehe Blicke. Ich spüre Verachtung. Der Geruch von Vorurteilen ist allgegenwärtig. Man sitzt dann hilflos da und weiß, ich kann jetzt nicht schreien: „Das hier ist ein sehr integrierter Mensch, der hart Arbeiten geht und fließend Deutsch spricht, einen schönen tag noch!“. Nein, aushalten ist angesagt. Manchmal habe ich sogar die Kraft, etwas zu sagen, aber manchmal weiß ich einfach: Wir werden immer auf Menschen treffen, die uns das Gefühl geben, das wir nicht dazu gehören. Leider geht das nicht so spurlos an mir vorbei, wie ich das gerne hätte.

Mich stört nicht, das der Fall der Mauer gefeiert wird. Mich stört die Rückständigkeit und das nicht darauf aufmerksam gemacht wird, welche Missstände wir jetzt in der Gesellschaft haben, die uns an einer „Einheit“ hindern.

Was zusätzlich ermüdend ist: die meisten Nazis sind keine Holzköpfe. Die wissen großflächig das Geflüchtete und Immigrierte nicht dem von Ihnen gezeichneten Bild entsprechen. Aber diese eigenen sich perfekt zum instrumentalisieren um einen Schuldigen zu finden. Zu sagen, das Geflüchtete einem Die Rente und Sozialleistungen nehmen, ist belegt falsch. Der betrag ist nicht gesunken oder gestiegen, ganz unabhängig von der „Flüchtlingskrise“. Aber so salopp gesagt bildet es eine gute Grundlage für Fremdenfeindlichkeit. Und dieses salopp Gesagte und Geglaubte ist für mich brandgefährlich.

In diesem Text kann ich garnicht auf jeden Missstand eingehen, der existiert. Aber ich kann ganz bewusst sagen, das es für mich keine Einheit gibt. Dieser Feiertag muss nicht neu konnotiert werden. Er erinnert an die Familien- und Freundeszusammenführung und an die neue Freiheit die ab 1989 Ost- und Westdeutschland verband. Aber ihm müssen neue Eigenschaften dazu gerechnet werden, denn er muss auch als Mahnmal dienen, um nicht die gleiche Geschichte ab 1933 zu wiederholen. Denn durch den Faschismus entstand die Teilung, und nur weil es das Ende der Teilung gefeiert wird, heißt das nicht dass keine neue entstehen kann.

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