„Wohnst du im Islam?“

Ali Can hat etwas ganz Großartiges gestartet: Den Hashtag #metwo. Er macht auf etwas aufmerksam, das eigentlich so aktuell und präsent ist, dass man garnicht mehr darauf aufmerksam machen müsste. 

„In der Grundschule war ich der einzige Südländer in der Klasse. Eines Tages bat mich die Klassenlehrerin kurz den Raum zu verlassen. Was besprochen wurde, durfte mir keiner sagen. Jahre später erfuhr ich dass alle zur ihr nachhause eingeladen wurden.“ @ajerragmxde1 via Twitter

Über 20.000 Menschen berichten auf Twitter, aber auch auf anderen Social Media Seiten über ihre Erfahrungen mit Rassismus. Beim Lesen der Geschichten musste ich weinen, ich war erschüttert, aber auch unendlich stolz. Stolz darauf, wie mutig all diese Menschen sind. Denn die rechte Twitter Szene kämpft gegen die Offenbarung der Geschichten an. Sie versuchen mundtot zu machen, sagen das alle dahin zurück gehen sollen, wo sie herkamen. Aber wir kommen von hier. Wohin soll ich denn bitte zurück? Ich habe meinen Geburtsort bis jetzt nicht einmal verlassen. Erzählen und Aufklären über Rassismus führt also zu mehr. Und trotzdem kämpfen alle weiter dagegen an. Es ist mühsam, anstrengend und manchmal hat man das Gefühl, man rennt gegen eine Wand. Aber es lohnt sich, insbesondere für die Generation nach uns sollten wir das tun.

„Ich gebe Ihnen 9 Punkte, wenn sie mir versprechen, dass sie später kein Kopftuch anziehen werden.“ – anonym

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In der 8. Klasse wurde ich gefragt: „Wohnst du im Islam? Wirst du dann verheiratet und musst kochen und Kinder kriegen?“ Unwissen schürt Rassismus und „Klassentrennung“ von klein an. Ich hab das damals nie verstanden. Ich habe einfach damit gelebt. Naiv, wie ich manchmal war, habe ich auch noch versucht alle aufzuklären, Verständnis zu ermöglichen obwohl daraufhin immer mehr kam. „Aber ihr seid ja schon unterdrückt im Islam, Frauen sind ja jetzt ganz im ernst nicht gleichgestellt oder?Wenn du jetzt mal GANZ ehrlich bist.“ Die Abstufung als minderwertigere Kultur ist allgegenwärtig.

„Meine Dozentin: „um Journalistin zu werden, muss dein Deutsch viel besser werden.“ Studiengang: Linguistik. Job: Journalistin“ – Esra Ayari via Twitter

Unendlich viele Geschichten lassen sich erzählen. Viele, die so wehtun und zusätzlich einem die Wehrlosigkeit vor Augen führen. Und das ständige Hinterfragen: Hätte ich anders reagieren sollen? Aggressiver? Doch anzeigen? Und wer setzt den Maßstab, was in solchen Fällen richtig ist? Das kann niemand so recht beantworten. Was wir jedoch wissen und tun sollten: Weitermachen. Erzählt weiter, liebt weiter und unterstützt euch gegenseitig dabei. Kommentiert auch beim hundertsten Nazi dagegen wenn ihr die Kraft dafür habt. Auch wenn es sich anfühlt, dass viel mehr Menschen Hass schüren als Lieben, es ist andersrum.

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. melek sagt:

    vielen dank für diesen artikel. du sprichst mut zu, obwohl #metwo und der umgang damit alles andere als bestätigend ist. solange wir uns untereinander solidarisieren, egal, ob wir persische, türkische, syrische, arabische und und und wurzeln haben, gibt es etwas, wofür es sich lohnt, ständig mit unverständnis und rassistischen reaktionen konfrontiert zu sein, fetischisiert, bagatellisiert & angefeindet zu werden.

    mir selbst fehlt der positive ausblick, den du hier skizzierst und nicht außer acht lässt, vor allem, wenn ich die geschichten anderer lese.
    also vielen dank für diesen wichtigen, ermutigenden, bestätigenden beitrag, obwohl es schmerzhaft ist!

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