Warum wir Christian Lindner nicht ernst nehmen dürfen, ihn jedoch nicht unterschätzen sollten.

Christian Lindner. Ein riesiges schwarz/weiß Bild mit Modelgehabe und ein in Großbuchstaben platzierter Digitalisierungsbanner schweben mir bei diesem Namen vor. Er ist der Mann, der die FDP zurück in den Bundestag brachte. Jung, charmant, modern, tweetend und immer auf dem neusten Stand. Wenn man einen Politiker mit Social Media verbinden würde, dann ihn. Und genau das macht er richtig.

Egal was passiert, in der Welt, beim FDP Parteitag, Christian Lindner tweetet, schreibt, dreht videos, postet auf Instagram oder geht live. Insbesondere mit seiner jungen Wählerschaft ist er immer im Kontakt, und das zieht auch neue an. Wer sich viel mit Politik befasst und nebenbei auf Twitter ist, der weiß wie desaströs politische Debatten auf dieser sozialen Platform enden können (Oder auch nicht). Folgende Aussage Lindner lässt sich wunderbar zur Veranschaulichung erwähnen:

Christian Lindner hat am Samstag auf dem FDP-Parteitag eine Anekdote erzählt, die er durch einen Freund der Migrationshintergrund hat erzählt bekam. Dabei geht es um eine Person, die beim Bäcker „mit gebrochenem Deutsch ein Brötchen“ bestellt hat, jedoch wussten die Leute in der Schlange nicht, „ob das der hoch qualifizierte Entwickler künstlicher Intelligenz aus Indien ist oder es sich eigentlich um einen illegal aufhaltenden höchstens geduldeten Ausländer handelt. Diese Unsicherheit könne ein Auslöser für Angst sein, sagt Lindner. Deshalb solle der Staat für eine geordnete Zuwanderung sorgen.

Vorab, eine geordnete Zuwanderung ist keine üble oder rassistische Forderung. Nur die Anekdote lieber Christian, die hättest du dir sparen können. Hier handelt es sich um Rassismus, um Verallgemeinerung und ehrlich gesagt, ist dass ein ganz mieses Fettnäpfchen in das du geraten bist. Rechte Vorwürfe gegen Lindner gab es schon öfter, ich glaube ehrlich gesagt: Dieser Mann ist für gute Wirtschaft, Ordnung, Erhaltung der oberen Mittelschicht und modelnde Politiker. Eine rassistische Aussage eines neoliberalen Politikers verwundert mich ehrlich gesagt nicht. Viel wichtiger ist nämlich, das CL damit eine große Show um sich inszeniert hat.

Nach dem der Shitstorm unter den Videos der oben genannten Aussage sich durch die sozialen Medien wie ein Lauffeuer verbreitet hat, reagiert Lindner mit Unverständnis. Er fühle sich missverstanden. Die Anhänger und die  AFD bejaht, die „links-grünversifften“ werfen Lindner knallhart ihre Meinung auf dem Tisch. Und die Medien? Von Bild bis zur Zeit, Nachrichten, und Push-up Benachrichtigungen platzen vor lauter Christian Lindner Überfluss. Er ist das Thema der Stunde, pusht nebenbei die Einwanderungsdebatte in die Höhe, und das wichtigste ist, Bayern hört zu.

Denn in Bayern, da sind am 14.10.2018 die Landtagswahlen, und Christian will der FDP zu tollen Ergebnissen verhelfen. Eine konservativ/ rassistische Aussage kommt da gut gelegen. Die war in der noch laufenden Legislatur mit 2,3% nämlich nicht an der Seite von Seehofer.

Lindner vergisst in seinem ganzen Wahn eine Sache: Politik. Er geht auf die Themen ein, die ihm passen, Soziales kommt ihm garnicht in die Tüte, und das spricht Menschen mit first world problems besonders an. Aber auch nur die. Lindner zentriert sich thematisch gesehen genau an der Mittelschicht Wählerschaft, jedoch sucht er nach neuen potentiellen Wählern die seine gewählten Themen genauso bewerten. Wie viel Erfolg er damit haben wird, zeigt sich noch (Auch wenn sein Einzug in den Bundestag 2017 einer war, die nächste Wahl wird zeigen, ob Kontinuität sein Begleiter sein wird).

Um auf den Titel einzugehen, Lindner macht wie gesagt eine Sache besser als alle anderen. Er versucht mit der Zeit zu gehen (auf eine gewisse Art erfolgreich). Das tun andere auch. Aber sein Gesamtpaket scheint komplett, er ist modern, er bleibt in Kontakt mit der jungen Generation.  Digitalisierung schreibt er ganz ganz groß, man scheint manchmal geblendet von seinem Erneuerungsgehabe. Besucht Universitäten so oft er kann. Und schafft es sogar, vor Studenten ganz charmant die von ihm gewollten Studiengebühren in ein tolles Licht zu rücken (Köln 2016, ich war live dabei). Er ist der erste, der mit seinem Alter und Zeitgeist Linien aufbricht, die meiner Meinung nach andere schon längst hätten durchbrechen sollen. Und da sollten wir non-FDPler gut aufpassen.

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(Wie ich mich wohl auf Wahlplakaten machen würde? Wahrscheinlich so.)

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