„Aber, DU bist nur muslimisch wegen deinen Eltern, oder?“ Identität Part 1

Ich glaube, die obige Frage habe ich unzählige Male gestellt bekommen. Diese entstammt aus der festverankerten Überzeugung der (non muslimischen) Menschen, dass es grob gesagt 3 Gruppen an (für sie) wahrnehmbaren Muslimen gibt. Damit meine ich natürlich nicht jeden non-Muslim, es ist glaube ich klar, welche Menschen gemeint sind. Darunter fallen unter anderem Rassisten, Unaufgeklärte, Desinteressierte als auch Interessierte nette Menschen mit einer kurzen Aufnahmefähigkeit. Insgesamt blickt man nur soweit über den Tellerrand, das man zwischen Radikalen, fromm Praktizierenden (grundsätzlich Kopftuch tragenden) und den „Alibi“ Muslimen unterscheidet (Kurze Erläuterung, laut Teilen meines Umfeldes sind damit diese gemeint, die zwar muslimisch aufgewachsen sind, oder ein muslimisches Umfeld haben, jedoch selbst sagen das sie keinen Bezug zum Glauben haben und sich als komplett westlich in Ihrer Lebens- und Denkweise präsentieren). Weshalb die besagte Frage gestellt wird, und wie problematisch das ist, dem möchte ich gerne auf den Grund gehen.

IMG_5571

Zunächst ist folgender Fakt von fundamentaler Wichtigkeit: Das Spektrum innerhalb der muslimischen Community ist IMMENS breit. Der Wichtigkeit dessen ist und kann sich niemand bewusst sein, denn für die Masse ist dieses große Spektrum garnicht greifbar. Dies liegt in erster Linie insbesondere an der dürftigen Repräsentation in den Medien, der Kultur als auch in der Politik. Nach und nach treten immer mehr junge Muslime (insbesondere Frauen) in die Öffentlichkeit, die die Kategorisierung entkräften. Eine grobe Gruppierung ist die der jungen, Integrierten und teils hier geborenen Muslima. Ich persönlich bin jedes Mal schockiert, wenn ich erneut eine Person treffe, die die Muslime, wie oben aufgeführt, kategorisiert, denn ich bin selbst nur von jungen, kreativen, offenen aber (!) religiösen Muslimen umgeben, der Gruppe an Muslimen die leider am meisten in der Wahrnehmung der Allgemeinheit untergeht. Und meines Erachtens nach gibt es ziemlich viele davon!

Quintessenz des Ganzen: Wir haben es hier mit Un-/Missverständnis zu tun, dass dazu führt das sich die, von denen die Außenwelt erwartet dass es sie nicht gibt, dauernd für Ihre Existenz erklären müssen und gegen die Kategorisierung ankämpfen müssen. Dies betrifft auch die als vom „Glauben verblendeten“ fromm Wahrgenommenen.  Warum mir diese Thematik so wichtig ist, dass ich hier darüber schreibe? Ganz einfach: Diese Frage schildert nur die Spitze des Eisberges. Sie ist ein Teil des Stempels, den man zügig aufgedrückt bekommt. Unter Muslim sein stellt sich der Großteil der Gesellschaft einfach das zu Beginn Genannte vor. Manchmal führt der Erklärungsdrang als auch das Gefühl dazu, sich manchmal als einziger Muslim in einer Menge von beispielsweise Atheisten erklären zu MÜSSEN. Man nimmt die Verteidigungsposition ein, (versucht) alles zu erläutern, inklusive den Themen, die für Spaltungen sorgen. Oder auch Unverständnis. Die Hochzeitsthematik, Ramadan, Alkohol und Schweinefleisch hier als Beispiel genannt. Denn gegen gewisse Argumente kannst du nur das Glaubensargument stellen. Die Selbstüberzeugung. Letzten Endes merkt man jedoch, das man gegen eine Wand redet, dass man selbst als „verblendet“ oder als die „Gezwungene“ angesehen wird. Auch wenn ich selber daran glaube, und dies Teil meines Lebens ist. Und dann kommt die im Titel vermerkte Krönungsfrage: „Aber eigentlich, wenn wir ganz ehrlich sind, machst und glaubst du das doch nur, weil deine Eltern Muslime sind und dich dazu zwingen oder?“. Nein, das mache ich nicht. Ich schauspielere bestimmt nicht, an eine Religion, an ein ganzes Traditionskonzept, zu Glauben, nur um dir all die Argumente zu liefern und im Endeffekt mir den Mund fusselig geredet zu haben. Ich lebe und präsentiere nur das was ich wirklich glaube, ich benötige keinen Zwang dafür.

Das Ganze schließt aber nicht Kritik am eigenen Lebensstil aus! Kontroversen und Diskussionen gibt es auch im Islam, untereinander, miteinander und das muss auch so sein. Denn auch der Islam entwickelt sich, die Menschen tun dies. Auch Emanzipation, Auslegung des Korans als auch Akzeptanz untereinander im Islam entwickelt sich, das ist eine Bedingung innerhalb jeder Religion/Kultur. Auch Fragen und Interesse von Andersdenkenden/Gläubigen gibt guten und berechtigten Input, nur eine gewisse Arroganz, die manchmal ganz unterschwellig eine Rolle dabei spielt, ist ermüdend und unnötig.

Somit ergibt sich daraus, das der Status quo für viele junge Muslime als unendlicher Teufelskreis, der Kräfte ziehend als auch nervig wird, zu Blockaden gegen das, was sie im Leben machen/vorhaben führt. Dem muss aktiv Argumentation und Widerstand als auch der Kampf für Akzeptanz gegengestellt werden. Und ich bin froh, das so viele schon dabei sind.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s